PKV-Beiträge steigen langsamer als Kassenbeiträge

Blutdruckmessung in einer Arztpraxis.Pexels

Aktuelle Studie

PKV-Beiträge steigen langsamer als Kassenbeiträge

Die Private Krankenversicherung (PKV) hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Ein Vorurteil lautet: Die PKV ist für Versicherte deutlich teurer als die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Doch das stimmt so nicht. Im Gegenteil: Eine Studie zeigt jetzt, dass die PKV-Beiträge in den letzten zehn Jahren weniger stark angestiegen sind als in der GKV.

Von Achim Nixdorf | Druckansicht

Egal, ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind – früher oder später werden Sie um eine Beitragserhöhung nicht drumherum kommen. Allerdings: Schaut man auf die langfristige Beitragsentwicklung in der Privaten und Gesetzlichen Krankenversicherung, stellt man fest, dass die PKV-Beiträge langsamer als die Krankenkassen-Beiträge steigen.

Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommt eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der privaten Krankenversicherungen (WIP) vom November 2022. Danach ist die Prämienbelastung je Versicherten in der PKV mit durchschnittlich 2,8 Prozent pro Jahr in den letzten 10 Jahren, also zwischen 2013 und 2023, weniger stark angewachsen als die Beitragsbelastung in der GKV mit 3,4 Prozent – und das, obwohl der langjährige Niedrigzins höhere Prämienanpassungen zur Finanzierung der Alterungsrückstellungen in der PKV erfordert hat.

PKV-Beiträge steigen nicht kontinuierlich

Das WIP untersucht regelmäßig die Beitragsentwicklung in den beiden Systemen. Damit wollen die Wissenschaftler auch der Kritik an den in der PKV bisweilen sprunghaft steigenden Prämien den Wind aus den Segeln nehmen. Denn eine Beitragsanpassung darf in der Privaten Krankenversicherung nur erfolgen, wenn die Versicherungsleistungen in einem Tarif nachweislich um einen bestimmten Prozentsatz höher liegen als ursprünglich kalkuliert. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Prozentsatz von maximal 10 Prozent. So wird den Versicherten die Teuerung der Medizin häufig „auf einen Schlag“ in Rechnung gestellt – nachdem die Beiträge zuvor oft mehrere Jahre unverändert geblieben sind.

In der Gesetzlichen Krankenversicherung steigen die Beiträge dagegen jedes Jahr, weil sie sich automatisch an den Einkommenszuwachs der Versicherten anpassen. Zudem werden die Grenzwerte zur Beitragsbemessung in der Regel jedes Jahr angehoben, wodurch sich auch die Beitragszahlung erhöht. Unterm Strich entsteht so häufig der Eindruck, dass die PKV-Prämien steiler ansteigen würden als die Beiträge zur GKV.

„Die PKV würde für die Versicherten gerne eine stetigere Beitragsentwicklung ohne größere ,Sprünge‘ erreichen. Das wird jedoch durch die gesetzlichen Vorgaben zu einer nachholenden Anpassung erst nach Überschreitung der Schwellenwerte unmöglich gemacht“, heißt es hierzu beim PKV-Spitzenverband.

Qualität der Versorgung ist entscheidend

Die Frage, ob Sie sich in der Privaten oder der Gesetzlichen Krankenversicherung besser aufgehoben fühlen, sollten Sie allerdings nicht allein anhand der Beitragshöhe beantworten. Entscheidend ist vielmehr, welchen Wert Sie auf die Qualität und den Umfang der Versorgung im Krankheitsfall legen. Außerdem sind bestimmte Formalien zu erfüllen: Haupt­beruflich Selbst­ständige und Beamte dürfen sich unabhängig vom Einkommen privat versichern. Als Angestellter können Sie sich privat kranken­versichern, wenn Ihr Einkommen über der Versicherungs­pflicht­grenze von derzeit 66 600 Euro brutto im Jahr liegt.

Autor:

Achim Nixdorf

Achim Nixdorf ist seit April 2019 Content- und Projekt-Manager bei Pfefferminzia. Davor arbeitete er als Tageszeitungs- und Zeitschriftenredakteur mit dem Fokus auf Verbraucher- und Ratgeberthemen.