GKV oder PKV? – Welcher Schutz passt besser?

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GKV oder PKV?

Welcher Schutz passt besser?

Wer bei der Krankenversicherung vor der Wahl steht, ob die gesetzlichen Variante ausreicht oder ob doch die Vorteile einer privaten Krankenversicherung überwiegen, hat einiges zu bedenken. Die Leistungen und die Höhe des Beitrages sind dabei nur zwei Kriterien.

Von Manila Klafack | Druckansicht

In Deutschland herrscht seit über zehn Jahren eine Krankenversicherungspflicht. Jeder Angestellte, der unter 5.212,50 brutto im Monat beziehungsweise 62.550 Euro im Jahr (für 2020) verdient, ist automatisch in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert. In welcher Krankenkasse er Mitglied sein möchte, kann er sich allerdings selbst aussuchen. Und wer über dieser sogenannten Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient, wer selbstständig oder als Freiberufler arbeitet oder im Beamtenstatus tätig ist, kann sich privat krankenversichern.

Wenn diese Wahlmöglichkeit besteht, ist es sinnvoll, sich vor einer Entscheidung über die verschiedenen Kriterien – allen voran Leistungsumfang und Höhe des Beitrags – bewusst zu werden. Aber auch andere Faktoren gilt es zu berücksichtigen.

PKV ist leistungsstärker

Die private Krankenversicherung (PKV) gilt gemeinhin als leistungsstärker. Ob eine schnellere Terminvergabe bei Fachärzten oder die freie Arzt- und Krankenhauswahl, das Ein- oder Zwei-Bett-Zimmer in der Klinik, die Erstattung von Zahnersatz oder die besseren Heil- und Hilfsmittel – all das kann und muss bewertet und in einem Tarif dazu- oder abgewählt werden. Das gilt jedoch nur für die Tarife mit höheren Prämien. Im Basisschutz gleichen die Leistungen denjenigen der gesetzlichen Krankenversicherung.

Je umfangreicher die Leistungen und je älter der Versicherungsnehmer, desto höher die Prämie. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die privaten Versicherer gleich eine Erhöhung der Kosten im Alter einkalkulieren und entsprechende Rückstellungen, die sogenannten Alterungsrückstellungen, bilden. Sie erhöhen den monatlichen Betrag, sorgen jedoch dafür, dass die Beiträge später weitgehend stabil bleiben oder zumindest nicht so stark ansteigen, wie sie es ohne diese Beträge tun würden.

GKV bietet beitragsfreie Familienversicherung

Dagegen besticht bei der gesetzlichen Krankenversicherung zum Beispiel die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartner und Kindern (bis 25 Jahre) mit einem geringen Einkommen. Hier gilt die Grenze des Minijobs von höchstens 455 Euro monatlich. Aufgrund des Solidarprinzips gibt es keine Unterschiede in der medizinischen Versorgung. Gleichzeitig fördert der Gesetzgeber mit dem Wettbewerbsstärkungsgesetz die Angebotsvielfalt der Krankenkassen. Durch die Höhe des Zusatzbeitrags, den jede Krankenkasse für sich festlegen kann, aber auch durch Präventionskurse oder andere Gesundheitsangebote, können die Kassen ihre Mitglieder an sich binden oder neue dazu gewinnen.

Der fixe Beitragssatz liegt derzeit bei 14,6 Prozent und bezieht sich auf ein Bruttoeinkommen von höchstens 4.687,50 Euro. Alles darüber wird nicht mehr zur Beitragsberechnung hinzugezählt. Damit beträgt der höchste monatliche Beitrag für einen Arbeitnehmer gut 684 Euro. Dazu kommt der eben erwähnte Zusatzbeitrag, der derzeit durchschnittlich 1,1 Prozent beträgt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer übernehmen jeweils die Hälfte der Beiträge.  In der privaten Krankenversicherung muss der Versicherungsnehmer allein dafür aufkommen. Ausnahme Beamte: sie erhalten eine Beihilfe.

Wechsel zwischen den Systemen

Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist grundsätzlich nicht so einfach und vor allem im Hinblick auf die gebildeten Alterungsrückstellungen auch nicht in jedem Fall angeraten. Gleiches gilt, wenn der Anbieter der PKV gewechselt werden soll. Auch in diesem Fall können nicht alle Rückstellungen für das Alter mitgenommen werden. Lediglich wenn ein Beschäftigter wieder unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze gerät, zum Beispiel weil er aufgrund des neuen Brückenteilzeitgesetzes eine Zeitlang weniger verdient, fällt er wieder unter die Versicherungspflicht.

Daher ist die Frage, ob nun jemand besser in der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung aufgehoben ist, pauschal nicht zu beantworten. Das hängt zu sehr von den individuellen aktuellen Umständen, aber auch von den Plänen für die Zukunft ab. Zudem sind die finanzielle Situation und persönliche Ansprüche an die Krankenversicherung ausschlaggebend. Manch einer legt Wert auf einen Top-Rund-um-Schutz, den nur die private Krankenversicherung bieten kann. Ein anderer stockt die gesetzlichen Leistungen durch private Zusatzversicherung auf und ist damit vollkommen zufrieden.

Autorin:

Manila Klafack

Manila Klafack ist freie Journalistin und Diplom-Kauffrau und schreibt seit 2016 für Pfefferminzia. Nach ihrer Ausbildung als Redakteurin verantwortete sie in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.